Montag, 25. April 2011

Geldbeschaffungsmaßnahme für die Regierung (Teil 1)

Ich hab da mal nachgedacht.
Es wäre wirklich gut für alle Beteiligten, wenn es auf Geräusche eine Steuer gäbe.

Jeder hätte pro Tag ein gewisses Kontingent an Lärm zur freien Verfügung und alles, was darüber hinausgeht, wird in dB/Zeit abgerechnet.

Man, das wäre eine wirkliche Wohltat. In Konzertsälen gäb es keine störenden Geräusche mehr, wenn der Mob seine Hämoriden an den Stuhlbezügen aufkratzt oder sich in wilden Hustattacken seines innewendig gehorteten Schleims entledigt.

Es gäb in öffentlichen Verkehrmitteln keine verzerrt krächsenden Handys mehr, aus denen atonale Primatenmusik dudelt, der Tatsache trotzend, dass, je nach Hersteller, selbige Geräte nicht einmal zum Telefonieren wirklich geeignet sind.

Die Gesetzmäßigkeit der Openair-Gespräche (je dümmer, desto lauter) wird zur Gänze aufgehoben, da sich die Gesprächpartner wie von Wunderhand auf einmal direkt gegenüber sitzen und ihre geistigen Ergüsse nicht wie gewohnt über Abteile und Wagons hinweg austauschen.

Mit einem Mal hätte man beim Einkaufen Ruhe. Keine warmduschende Weichei-Mucke würde sich dem, dank gefüllter Geldbeutel, angestrebten und bis ins kleinste ausgeklügelten Kaufverhalten entgegen stellen.

Gut, ich will ehrlich sein. Dieses "31 für 82 - Fernruf" würde ich doch irgendwie vermissen.

Es gäb natürlich auch eine Regulierungsbehörde, die diese akkustische Umweltverschmutzung genaustens im Auge behält.
Das würde Arbeitsplätze schaffen. Einerseits die Prüfer, andererseits würden aber auch die Gerätehersteller des entsprechenden Equipments neue Mitarbeiter einstellen müssen.

Vielleicht sollte ich ja ein Brief schreiben. Aber an wen? Außerdem gehen meine Briefe irgendwie immer geräuschlos unter.

(ich hoffe, ihr nehmt das Ganze nicht all zu ernst, aber es tat einfach gut)

Mittwoch, 13. April 2011

Beobachtung in der Fußgängerzone (Teil 1)


Das Leben als solches, in all seiner Pracht und unsagbaren Vielfalt, kann an Komik kaum, wenn gar nicht, übertroffen werden, und kaum ein Ort kann darüber besser Aufschluss geben, als eine belebte Fußgängerzone es vermag, wenn ein jeder, wie es dem aufmerksamen Betrachter nur schwerlich entgehen kann, in der Anonymität der in kollektiver Zusammenarbeit entstandenen Menge seine ureigenen Vorhaben, die an individueller Wichtigkeit kaum zu übertreffen sind, verfolgend, eintaucht.

Nun sollte dem engagierten Leser eine wesentlich zum Verständnis beitragende Information nicht vorenthalten werden.

Die Menschheit in all ihrer Komplexität teilt sich, anderes als von den meisten bedeutenden Wissenschaftlern behauptet, in lediglich, dafür aber um so exakter, zwei Kategorien: den Schnellgehern und den Langsamgehern.

Doch trotz des großen Unterschieds im Positionsänderungsfaktor gemessen über der Zeitlinie, haben diese beiden Spezies eins gemeinsam:

Beide hegen den unerschütterlichen Glauben daran, das Recht auf ihrer Seite zu haben.

Ausgerechnet an einem sonnigen Samstagvormittag, an dem ein zur Gänze unschuldiger Komponist vom Vorhaben getrieben, einen Cappuccino zu trinken, sich seinen Weg durch die Bonner Innenstadt bahnt, versammeln sich Vertreter oben genannter humanoider Einteilungsmuster an eben diesem Ort, um ein Kräftemessen der wahrlich absonderlichen Art zu veranstalten.

Wäre dies nicht genug, wurden an strategisch entscheidenden Punkten geschickt und gut getarnt Ablenkungsmechanismen installiert, die erheblich, bedingt durch ihre Funktionsweise und der damit verbundenen visuellen und akustischen Belästigung, zu der sich anbahnenden Situation beitragen.

So sollte das „DasIstNichtGut“, kurz „Ding“ genannt, erwähnt werden, welches nach Einwurf eines kleinen Unkostenbeitrags ein erbfolgeberechtigtes Mitglied einer hier als fiktiv bezeichneten Familie einen kurzen Zeitraum durchschüttelt, um für einen Augenblick den verbal geäußerten Unmut über eine subjektiv als groß wahrgenommene Nichtigkeit zu unterbinden.  

Fatal jedoch ist, dass eben dieses „Ding“ nach einem, je nach Standpunkt des Betrachters als eher kurz wahrgenommenen, Zeit-Intervall vorgibt, der Schüttelmechanismus hätte sich all seiner Kraft entledigt und aus diesem Grunde abrupt den Dienst versagt, sodass im unmittelbaren Anschluss daran eine audiophile Klangkollage exponentiell zum Ausgangswert bizarre Formen annimmt.

Schnell wird dem aufmerksamen Betrachter klar, - das Studium der Bedienungsanleitung trägt erheblich zum Verständnis bei -, dass die Ursache des Stillstandes wohl eher in der Tatsache begründet liegt, dass der Unkostenbeitrag in seiner gezahlten Höhe erschöpft ist und das „Ding“ schlicht gelogen hatte. (Politische Aspekte der Situation werden hier bewusst außen vor gelassen).